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DER UNSICHTBARE ZUGRIFF – WARUM IHRE DATEN NIE WIRKLICH NUR IHNEN GEHÖREN





E X P E R T I S E


Für die internationale Fujitsu-Tochter Fsas Technologies sind die Infrastrukturen und Daten der europäischen Kunden das Kernschäft – und damit genauso deren Digitale Souveränität. Hier sieht Österreich-Geschäftsführer Robert Kreillechner vor allem die Kontrolle über die eigenen Daten als große Herausforderung für die meisten Unternehmen und Organisationen – eine Herausforderung, die es dringend zu meistern gilt.

Um die Kunden dabei effektiv zu unterstützen, setzt man nicht nur auf technologische Innovationen und Lösungen des Mutterkonzerns, sondern auch auf dessen Learnings und Practices in Sachen Souveränität.



In Japan ist übergreifende Zusammenarbeit Trumpf – auch und insbesondere, wenn es um Digitale Souveränität geht. Eine zwischen Politik und Wirtschaft bis in in die einzelnen Unternehmen koordinierte Strategie und die Stärkung regionaler Ökosystemse liefern entscheidende Hebel für ein souveränes Agieren – und erhöhen damit zugleich auch die eigene Resilienz und globale Wettbewerbsfähigkeit. Aus der Sicht von Robert Kreillechner, Geschäftsführer bei Fsas Technologies Österreich, braucht es solch eine abgestimmte Gesamtstrategie und Vorgangsweise auch in Europa – und zwar vor allem, wenn es um die Kontrolle über die eigenen Daten geht. Wie es um diese nämlich in der Praxis tatsächlich bestellt ist, lässt sich auf den ersten Blick zumeist gar nicht so leicht erkennen – zu vielfältg sind Abhängigkeiten, Schnittstellen und potenzielle Risiken.


„Kontrolle ist weit mehr, als zu wissen, wo das Rechenzentrum steht", betont Robert Kreillechner. „Um echte Kontrolle zu gewinnen und zu behalten, ist ein Mix aus unterschiedlichen Bausteinen notwendig: Es braucht die technischen Voraussetzungen wie Open Source, offene Standards und hybride IT-Konzepte genauso wie modulare Lösungen und flexible Partner für die Umsetzung. Und es braucht auch klar definierte Regeln und Notfallpläne, um handlungsfähig zu bleiben."




Herr Kreillechner, Sie sagen, dass Unternehmensdaten nie wirklich im Besitz des Unternehmens sind. Was meinen Sie damit?


Es klingt provokant, aber die Realität ist, dass die meisten Firmen ihre digitalen Services aus dem Ausland beziehen. Laut einer Bitkom-Studie sind das rund 96 Prozent der deutschen Unternehmen, während nur ein Viertel eigene digitale Leistungen exportiert. Natürlich handelt sich hier um Zahlen aus Deutschland, aber mein Eindruck ist, dass sich dies in der Tendenz auch auf Österreich übertragen lässt.


Die Abhängigkeiten sind vielfältig und oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Hinzu kommen juristische Fallstricke, die vielen Unternehmen gar nicht bewusst sind.

Ein großes Problem dabei ist, dass viele Unternehmen beim Einkauf von IT-Leistungen ausschließlich auf den Preis schauen und dabei die langfristigen Risiken ignorieren, die mit der Beschaffung außerhalb des eigenen Rechts- und Wirtschaftsraums einhergehen können.








Reicht es denn nicht aus, die Daten einfach in europäischen Rechenzentren zu speichern?


Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

Souveränität bedeutet nicht nur zu wissen, wo die Daten liegen, sondern auch, wer sie tatsächlich kontrolliert. Es nützt wenig, wenn die Infrastruktur zwar in Europa steht, die Steuerung aber von außerhalb erfolgt.

Hier spielt die Herkunft des Anbieters und der verwendeten Software eine entscheidende Rolle. Ein Rechenzentrum in Europa, das von einem außereuropäischen Unternehmen mit Software betrieben wird, die im Ausland entwickelt wurde, mag die physische Lokalisierung erfüllen, aber die eigentliche Kontrolle und Einsehbarkeit können dennoch außerhalb Europas ansetzen. Die Frage ist nicht nur wo, sondern auch von wem und nach welchen Regeln die Daten behandelt werden.



Wie erkennen Unternehmen ihre Abhängigkeiten und wie können sie diese reduzieren?


Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, wo die eigenen Schwachstellen liegen. Unternehmen sollten sich fragen, auf welche Anbieter sie angewiesen sind und wie flexibel ihre Systeme gestaltet sind. Es hilft, auf offene Standards zu setzen und modulare Lösungen zu wählen, die nicht an einen einzelnen Anbieter binden. Außerdem sollte man Notfallpläne haben, um auch im Falle von Sanktionen oder Ausfällen handlungsfähig zu bleiben. Die Zusammenarbeit mit Partnern, die transparente und kontrollierbare Lösungen bieten, ist ebenfalls entscheidend – etwa durch lokale Hosting-Partner oder den Einsatz von Open-Source-Technologien. Das alles sind strategische Entscheidungen, die im Alltag oft unterschätzt werden. Im Zuge dessen sollte auch der Aspekt der regionalen Beschaffung eine wesentlich größere Rolle spielen. Unternehmen sollten aktiv nach Alternativen aus dem eigenen oder einem eng regulierten Wirtschaftsraum suchen, die nicht nur die technischen Anforderungen erfüllen, sondern auch eine rechtliche und regulatorische Sicherheit im europäischen Rahmen bieten. Dies gilt im Übrigen für Japan genauso wie für Europa – die Stärkung regionaler Ökosysteme ist ein wichtiger Baustein für globale Resilienz.



Welche Bedeutung haben hybride IT-Architekturen und Cloud-Alternativen aus Europa?


Hybride Modelle sind deshalb sinnvoll, weil sie kritische Daten und besonders sensible Workloads lokal halten, während die Cloud für Flexibilität und Innovation genutzt wird.

Es gibt heute durchaus Anbieter, die DSGVO-konforme und souveräne Lösungen anbieten. Hier ist es wichtig, dass man die Kontrolle behält und sich nicht in eine neue Abhängigkeit begibt. Ein Aspekt, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist zudem die Energieeffizienz. Eine Plattform, die viel mehr Strom verbraucht als nötig, ist nicht nachhaltig und untergräbt die digitale Souveränität. Gerade bei der Auswahl von Cloud-Anbietern ist es ratsam, Unternehmen zu bevorzugen, die ihre Infrastruktur und Entwicklung innerhalb des eigenen Wirtschaftsraums oder eines gleichwertig regulierten Umfelds betreiben. Dies reduziert nicht nur rechtliche Risiken, sondern fördert auch die regionale Wertschöpfung und Expertise in diesem kritischen Bereich. Als Fsas Technologies agieren wir beispielsweise mit tiefen europäischen Wurzeln, um genau solche Lösungen in und für Europa zu ermöglichen.







Wo sehen Sie die größten Schwachstellen für die digitale Souveränität von Unternehmen?


Die größte Achillesferse ist die juristische Komplexität internationaler Datengesetze und extraterritorialer Zugriffsrechte.


Viele Unternehmen können gar nicht nachvollziehen, wer alles auf ihre Daten zugreifen kann und unter welchen Bedingungen. Hinzu kommen technologische Abhängigkeiten von globalen Anbietern sowie mangelnde Transparenz über die gesamte Lieferkette digitaler Produkte und Services.

Und nicht zuletzt werden architektonische Entscheidungen oft getroffen, ohne die langfristigen Auswirkungen auf die Souveränität zu bedenken. Ohne eine klare Strategie bleibt alles Stückwerk – und das Risiko steigt. Ein weiterer zentraler Schwachpunkt ist die Vernachlässigung der regionalen Beschaffung in der IT. Wer primär auf globale „Big Player“ setzt, selbst wenn deren Rechenzentren im Zielmarkt stehen, ignoriert oft die Möglichkeit, dass die Kontrolle über Daten und Systeme letztlich außerhalb der gewünschten Jurisdiktion liegt. Unternehmen müssen erkennen, dass ein bewusster regionaler Einkauf ein entscheidender Baustein für langfristige digitale Souveränität ist – sei es in Europa, Japan oder anderen Regionen.




Was empfehlen Sie Unternehmen, die ihre digitale Souveränität stärken wollen? Wie sieht der erste Schritt aus?


Es beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Abhängigkeiten bestehen? Welche Daten sind besonders kritisch? Welche gesetzlichen Vorgaben gelten? Das klingt zwar trocken, ist aber die Grundlage für jede weitere Entscheidung. Parallel dazu sollte überprüft werden, welche Plattformen und Dienste tatsächlich zur Verfügung stehen und wie flexibel sie genutzt werden können. Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass sie eine Wahl haben – etwa bei Storage, Datenbanken oder Cloud-Services. Wer hier bewusst entscheidet, kann schon heute souverän handeln.


Ein proaktiver Schritt ist die Implementierung einer regionalen Beschaffungsstrategie für den IT-Einkauf, wo immer es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Das bedeutet, bei jeder Beschaffungsentscheidung explizit zu prüfen, ob es einen Anbieter aus dem gewünschten Rechtsraum mit einer souveränen Lösung gibt.






Gibt es internationale Beispiele, von denen Europa lernen kann?


Ja, ein Blick nach Japan zeigt, wie wichtig eine gemeinsame Strategie ist. Dort arbeitet die Politik eng mit der Wirtschaft zusammen, um die digitale Souveränität zu stärken. Für Europa bedeutet das, dass wir nicht nur technische Lösungen brauchen, sondern eine koordinierte Strategie – von der Politik bis zu jedem einzelnen Unternehmen. Nur so können wir wirklich Kontrolle über unsere Daten behalten. Diese koordinierte Strategie sollte explizit Maßnahmen zur Förderung regionaler Technologien und Dienstleistungen umfassen, um die Entwicklung und Nutzung eigener Stärken zu stärken.


Europa muss, ähnlich wie Japan es vormacht, ein Ökosystem schaffen, das europäische Unternehmen befähigt, global wettbewerbsfähig zu sein und gleichzeitig die digitale Souveränität zu gewährleisten.



Was ist Ihr persönlicher Appell an Unternehmen, die sich mit digitaler Souveränität befassen?


Wer jetzt handelt, gewinnt nicht nur Sicherheit, sondern auch Vertrauen, Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Die entscheidende Frage ist: Wollen Sie in Ihrer digitalen Zukunft Fahrer:in oder Beifahrer:in sein? Fsas Technologies unterstützt Unternehmen dabei, diesen Prozess strukturiert anzugehen – von der Analyse über die Architektur bis hin zur Umsetzung. Am Ende geht es um nichts weniger als die Fähigkeit, in einer digitalen Welt selbstbestimmt zu agieren. Als Unternehmen mit japanischen Wurzeln, die tief in Europa verankert sind, verstehen wir die Bedeutung dieses Spagats. Wir appellieren an Sie: Handeln Sie strategisch und denken Sie regional, wo es um Ihre Souveränität geht.


Jede Kaufentscheidung für einen Anbieter aus dem eigenen oder einem vertrauenswürdigen Rechtsraum stärkt nicht nur Ihr eigenes Unternehmen in der digitalen Souveränität, sondern trägt auch dazu bei, die jeweilige Region unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen.

 
 
 

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