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DIE EIGENE ROADMAP ZUR DIGITALEN SOUVERÄNITÄT

Aktualisiert: vor 3 Stunden





E X P E R T I S E


Das Thema digitale Souveränität nimmt mächtig Fahrt auf. In vielen heimischen Unternehmen ist heute die Frage nicht mehr „Müssen wir uns damit befassen?", sondern „Wie setzen wir es um?". Genau darauf bietet der AI Solutions Integrator Insight eine gleichermaßen umfassende wie praxisnahe Antwort: eine konkrete Roadmap. Darin werden unterschiedliche Wege durchexerziert, bei deren Umsetzung man den Kunden dann auch durchgängig begleitet. Die ganzheitliche Sicht ist für Client CTO Daniel Baumann der Schlüssel – weil es bei Digitaler Souveränität eine Vielzahl an Aspekten zu berücksichtigen gilt.



Den richtigen Weg dorthin muss letztlich jedes Unternehmen für sich selbst finden. Für kaum ein anderes Thema passt dieser Satz so exakt wie für Digitale Souveränität. Es gilt, unterschiedlichste Faktoren für die Routenplanung auf dem Radar zu haben und während der gesamten Journey nie aus den Augen zu verlieren: von der bestehenden Infrastruktur bis zu kommenden Technologietreibern und von der eigenen Zielvorstellung, wohin sich ein Unternehmen entwickeln soll, bis zu externen geopolitischen und wirtschaftlichen Effekten.


„Umso wichtiger ist es, an die Planung von Beginn weg sowohl ganzheitlich als auch komplett technologieoffen heranzugehen", sagt Daniel Baumann, Client CTO von Insight Technology Solutions in Wien. Dem globalen Technologieanbieter und Lösungsintegrator mit einer fest verankerten Präsenz in Österreich fällt das nicht schwer, weil er sowohl mit Hyperscalern als auch mit europäischen Cloud-Playern aktiv zusammenarbeitet und weil es kein eigenes Rechenzentrum ins Spiel zu bringen gilt. Bevor es aber um konkrete Lösungspartner und Plattformen geht, sind für Baumann in der Ende zu Ende-Betrachtung jedoch noch eine Reihe anderer Fragen zu klären.




Herr Baumann, onwieweit ist Digitale Souveränität für ihre Kunden schon ein konkretes Thema?


Sowohl das Bewusstsein für Digitale Souveränität als auch der Markt haben sich in den letzten Monaten im europäischen Raum massiv weiterentwickelt. Insbesondere die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten haben vielen Verantwortlichen deutlich gemacht, wie wichtig es jetzt ist, steuerungs- und handlungsfähig zu bleiben – und dazu die Kontrolle über die eigenen Daten, Systeme und Prozesse sicherzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren. Und jetzt findet tatsächlich der Wechsel in die Phase statt, wo es von der Metaebene zur Umsetzung in die Praxis geht. Die Zahl der Kunden, die mit konkreten Fragestellungen und Vorhaben auf uns zukommen, steigt signifikant an.







Was sind hier zum Beispiel typische Fragestellungen?


Vielen ist noch nicht so klar, was es bedeutet, Datensouveränität, Betriebssouveränität und Technologiesouveränität letztlich zu Ende zu denken. Diese drei Dimensionen muss man trennen, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten. Datensouveränität heißt: Ich bestimme, wo meine Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und unter welcher Rechtsordnung sie stehen. Betriebssouveränität heißt: Ich bleibe handlungsfähig, auch wenn ein Anbieter ausfällt, Bedingungen ändert oder den Dienst abstellt; ich kann meine Systeme selbst betreiben, warten und im Ernstfall verlagern. Und Technologiesouveränität heißt: Ich bin nicht an proprietäre Standards gebunden, sondern setze auf offene Schnittstellen und Normen, die mir den Wechsel und die Weiterentwicklung offenhalten. Wenn man die Ebenen einzeln durchdenkt, sieht man, dass Souveränität kein Schalter ist, den man umlegt, sondern ein Zusammenspiel von Recht, Betrieb und Architektur.




Und begegnen Sie dabei auch typischen falschen Erwartungshaltungen?


Manchmal wird Souveränität zu sehr als Abschottung verstanden – tatsächlich ist sie das nicht: Ziel ist es nicht, sich zu isolieren, sondern die Fähigkeit zu Innovation zu bewahren.

Deshalb gilt es, das Thema wirklich greifbar zu machen – zum Beispiel: Welche Konsequenzen hat es, wenn meine Systeme morgen nicht mehr laufen, weil sie irgendjemand abstellt? Was heißt es eigentlich tatsächlich, wenn wir von operativer Souveränität sprechen? Wie verwalte ich souverän meine Daten, wie betreibe ich meine Rechenzentren und Infrastrukturen? Welche Möglichkeiten habe ich, souverän zu sein? Für all diese Fragestellungen gibt es stark wachsenden Bedarf an entsprechenden Konzepten.




Genau so ein Konzept bieten Sie Ihren Kunden nun mit einer expliziten Roadmap zur Digitalen Souveränität. Was dürfen sich die Kunden dabei erwarten?


Die Roadmap ist quasi eine Blaupause, die durchgängig die Entwicklung in Richtung einer digitalen Plattform abbildet und durchexerziert – in Phasen, Schritten, gezielten Fragestellungen und auch in einem Entscheidungsbaum für Plattform- und Technologieentscheidungen. Wir haben diese Roadmap aus unserer Projektpraxis heraus entwickelt, wo wir Kunden bei allen diesen Schritten und Entscheidungen begleitet haben. Vieles an Erfahrungen daraus lässt sich strukturieren, replizieren und standardisieren – beispielsweise in Form eines mehrstufigen Ansatzes für die Migration von Hyperscalern zu einer digitalen Plattform oder zu einer hybriden, koexistierenden Welt. Die Roadmap zeigt konkret verschiedene Wege zur Digitalen Souveränität und liefert Hilfestellungen für diese Wege. Welcher Weg der richtige ist, hängt aber vom jeweiligen Unternehmen ab.






Es gibt also auch hier keine Standardlösung?


Nein – auch, wenn man derzeit ein wenig den Eindruck bekommen könnte, dass man über Nacht digital souverän werden kann, wenn man von seinem Hyperscaler weggeht, alles, was man hat, auf eine europäische Cloud-Plattform packt und dann noch ein paar Policies oben drauf dazu fügt.

Tatsächlich ist der Weg zur Souveränität viel länger und das Bild, das man betrachten muss, viel größer – und immer ein Unikat. Jedes Unternehmen hat seine aktuelle Infrastruktur und muss mit den vorhandenen Budgets wirtschaften.

Deshalb müssen hier die einzelnen Schritte – wie beispielsweise Architekturentscheidungen oder Exit- und Backup-Konzepte – ganzheitlich von Ende zu Ende gut geplant und gemanagt werden. Nicht für jedes Szenario ist zum Beispiel eine europäische Cloud-Lösung auch automatisch die beste. Davon abgesehen kann das Angebot eines Hyperscalers durchaus auch die beste Lösung für ein Unternehmen sein.



Lässt sich allgemeingültig sagen, mit welchem Schritt die Journey zur Digitalen Souveränität sinnvollerweise beginnen sollte?


Am Anfang gilt es immer das Zielbild zu klären: Wo genau soll die digitale Reise hingehen, wohin will sich das Unternehmen entwickeln? Dafür gilt es zunächst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen und sich anzuschauen: Wie ist die Datenstruktur? Was sind die kritischen Workloads? Das können technische Systeme oder datenkritische Systeme sein. Diese Transparenz zu schaffen, ist die Voraussetzung, um wirklich digital souverän zu werden. Und dann erst kann man sich – und zwar komplett technologieoffen – mit der Frage befassen: Was ist die richtige Lösung dafür – in technischer Hinsicht, bezüglich Governance und bezüglich der Mitarbeiter:innen? Wie die souveräne Plattform aussehen könnte und welcher Lösungspartner der richtige wäre, sind nachgelagerte Fragen.



Was sind häufige thematische Aufhänger und Needs, mit denen die Kunden zu Ihnen kommen?


Manche möchten von einer aktuellen On Premise-Umgebung Richtung Private Cloud auf einer digital souveränen Plattform gehen. Andere möchten von einem Hyperscaler oft mit Blick auf regulatorische Anforderungen auf eine souveräne Plattform mit offenen Standards und Normen wechseln. Den thematischen Aufhänger bilden in vielen Fällen zunächst einmal die Daten, die man schützen und unter Kontrolle haben will. Dieser Fokus erweitert sich rasch bei einer ganzheitlichen Betrachtung und wenn man sich ansieht, was an den Schnittstellen mit den Daten passiert und welche Sicherheitskonzepte dahinterstehen – die Schnittstelle zwischen IT und OT ist ein Paradebeispiel dafür. Solange etwa Maschinendaten im Netzwerk offen zugänglich sind, braucht man an den Start einer digital souveränen Entwicklung gar nicht zu denken.

Das Thema Datensicherheit kann man nicht auf später verschieben – das muss von Anfang an in der digitalen Roadmap mitgedacht und integriert werden.





In der öffentlichen Diskussion wird der Weg zur Digitalen Souveränität manchmal automatisch mit einer Cloud-Migration in einen Topf geworfen – ist das in der Praxis auch so?


Das ist tatsächlich ein Problem. Eine Cloud-Migration bedeutet eigentlich, dass man die bestehende Umgebung in eine Cloud migriert und dort technisch zum Laufen bringt und sie dort handlungsfähig zur Verfügung steht – letztlich ist das eine technische Migration. Eine Roadmap zur Digitalen Souveränität ist viel umfassender. Das bedeutet, sich Gedanken über das Sicherheitskonzept, über Datenhoheit, Resilienz, Ausfallsicherheit zu machen und auch darüber, wo man seine Daten betreiben, liegen haben und verwalten möchte und wie handlungsfähig man wirklich bleiben muss – und das immer im Hinblick auf den Markt, in dem man agiert.



 

Gerade die großen Cloud Player, die Hyperscaler, werden häufig eher als Gegenpol zu Digitaler Souveränität genannt. Welche Rolle dürfen, können und sollten die in solch einer Roadmap spielen?


Heute bieten Hyperscaler eine Reihe technischer Konzepte, Lösungen und konkreter Angebote, die vor allem europäischen Kunden Digitale Souveränität ermöglichen. Die Kunden haben dabei die Möglichkeit, zu bestimmen, wo sie die lokale Hardware betreiben möchten, ob sie beispielsweise ihre hybride Umgebung mit einer Private Cloud erweitern möchten und so weiter. Und die Kunden bekommen auch mit Zertifizierungen garantiert, dass ihre Daten dann auch wirklich dort bleiben. Natürlich ist der Mutterkonzern immer noch ein nicht-europäisches Unternehmen.

Aus unserer Sicht ist es in jedem Fall wichtig, möglichst Hardware-technisch und architektonisch sicherzustellen, dass die Hardware und die Daten, die darauf bereitgestellt werden, dort laufen und bleiben, wo man das als Kunde möchte. Hier lässt sich mittlerweile mit entsprechenden technischen Konzepten sehr viel machen.



Was sind die – vielleicht neuen – Herausforderungen, die sich einem selbst stellen, wenn man Kunden durchgängig auf dem Weg zur Digitalen Souveränität begleitet?


Eine große, wenn auch nicht neue Herausforderung ist die Geschwindigkeit. Wir müssen unsere Technologie-Roadmaps laufend aktualisieren, Trends und Technologietreiber permanent beobachten und möglichst antizipieren: Wohin geht es in den nächsten zwei, drei Jahren? Neu ist die Qualität dieser Aufgabe. Bei Digitaler Souveränität zählen weit mehr Parameter als nur technologische – geopolitische, wirtschaftliche, regulatorische. Wir müssen genau wissen, welche Vorgaben in welchem Land, welcher Region und welcher Branche gelten, und diese Erkenntnisse fortlaufend in die Roadmap einarbeiten: technisch, organisatorisch und strategisch. Denn am Ende ist Digitale Souveränität keine reine IT-Frage. Sie ist eine Führungsaufgabe – sie gehört in die Vorstandsetage, nicht nur in den Serverraum.



 
 
 

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